Geschichte meines Volkes

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 "Die Tragödie meines Volkes"

   Öl auf Leinwand, 72x59 cm, 1991

 

Der brutalen Geste der Zerschlagung der Wolgarepublik der Russlanddeutschen durch "Väterchen" Stalin (Tabakspfeife in der linken Hand) stehen die Haltung und die Gefühle der Betroffenen gegenüber: links oben die Vertreter der Russlanddeutschen, rechts Menschen mit Bangen, Hoffnungen und Resignation.

Die junge Frau mit dem Wörterbuch deutet auf die Schwierigkeiten der Übersiedlung; die Frau links auf den Koffern hat sich für das Verlassen ihreres bisherigen Lebenskreises entschieden; der alten Frau sind alle Hoffnungen - wie der geborstene Trog - zerbrochen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

        

             Triptychon: "Apotheose des Stalinismus"

 

Linkes Bild:

"Laut Erlass vom 28.o8.41"

 Öl auf Leinwand, 80x51 cm, 1991

 

Dargestellt wird ein schreckliches Ereignis aus der Geschichte der Russlanddeutschen als ein Beispiel für die Leiden von Hunderttausenden.

Die erste Szene schildert die Ankunft wolgadeutscher Familien - 1941 deportiert - auf einem freien Feld in Sibirien. Der NKWD-Funktionär (links im Bild auf dem Pferd) verkündet ihnen: "Ihr seid auf Anweisung des Genossen Stalin ausgesiedelt, hier ist Eure neue Heimat, macht es Euch bequem." Ohne Nahrung und Winterbekleidung, bei minus 42 Grad und Sturm, erfroren alle bis auf eine Frau, die dies alles bezeugte. Im Frühjahr wurden die Leichen verscharrt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mittleres Bild:

"Gott lasse nicht zu"

 Öl auf Leinwand,74x52 cm, 1991

 

Dreizehn Jahre später entdeckten Traktoristen beim Pflügen auf eben diesem Feld Menschenknochen und -schädel, auch von Kindern. Es waren die Überreste der erfrorenen Russlanddeutschen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rechtes Bild:

"Gedenken"

 Öl auf Leinwand, 80x51 cm, 1991

 

Trauernde sind versammelt; sie haben Kerzen angezündet und Blumen sowie Fotos an Gedenksteinen niedergelegt, die für die verschiedenen sowjetischen Todeslager stehen, für Archangelsk ebenso wie für Swerdlowsk oder Tscheljabinsk und viele andere Orte.

Im Hintergrund breitet sich eine liebliche Landschaft aus mit einem heiteren Himmel darüber: das Leben geht weiter.

Mittel- und Vordergrund jedoch zeigen die Wunden der Untaten des Stalinismus, die nicht vergessen werden dürfen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Kühe auf dem Friedhof"

 Öl auf Leinwand, 60x45 cm, 2011

 

In diesem Bild wird geschildert, wie - als Folge des Erlasses vom

28. August 1941 - die Bewohner aus ihrem Dorf an der Wolga unter bewaffneter Aufsicht vertrieben wurden. Da das Vieh nicht mitgenommen werden durfte, sperrte man es auf dem Dorffriedhof ein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Terror durch Hunger"

 Mischtechnik, 43x34 cm, 1997

 

Geschaffen als Illustration des Buches von Robert Konquist mit gleichem Titel wird gezeigt, was ein Soldat sah, der in den Hungerjahren durch ein ausgestorbenes Dorf ging und in eine Hütte trat: ein altes Ehepaar war verhungert; mit einer letzten Zärtlichkeit hatte der entkräftete Mann seiner sterbenden Frau eine Hand auf ihr Haupt gelegt.

 

"Totale Hungersnot in Russland - Familie Prediger"

 Mischtechnik, 62x46 cm,2001

 

Eine Impression aus dem Zuhause von Andreas Prediger an der Wolga während der großen Hungersnot in den 20er und 30er Jahren, die seine Familie und ihn zwang, die angestammte Heimat zu verlassen und zu Verwandten nach Georgien zu ziehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Verzweiflung"

 Öl auf Leinwand, 67x82 cm, 1999

 

Als Vorlage diente eine Begebenheit aus der griechischen Mythologie, in der der trojanische Priester Laokoon und seine Söhne durch von den Göttern geschickte Schlangen erwürgt werden.

Hier wird der jahrelange Kampf von Russlanddeutschen um das Recht auf Ausreise in die "Urheimat" Deutschland mit dem Ungeheuer "sowjetische Bürokratie" dargestellt, konkret bezogen auf die Familie Oldenburger, die zahlreiche Ausreiseanträge stellte. Mit schlimmen Folgen: Verhaftungen, Verhöre, Ausschluss der Kinder von der Schule. Sie demonstrierten 1956 vor dem Gebäude des ZK der KPdSU in Moskau; 1976 kettete sich die Frau dort aus Protest an einen Laternenpfahl. 1978 durften sie ausreisen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Sibirische Treidlerinnen"

 Öl auf Leinwand, 90x60 cm, 1998

 

Russlanddeutsche Frauen - zwangsverpflichtet als Arbeitssklaven in der Trud-(Arbeits-)Armee - machen Holz für den Bau z.B. der Eisenbahn.

Es war Schwerstarbeit. Die Frauen lebten im schlimmsten Winter in Zelten, ohne Winterbekleidung und ausreichende Nahrung, getrennt von ihren Familien. Viele starben. Anstrengung, Erschöpfung und Verzweiflung sprechen aus Haltung und Gesten jeder einzelnen Figur - im dramatischen Gegensatz zu den ungerührten Wachen und der unbewegten, nahezu idyllischen Natur.

Als Anregung diente I.E. Repins "Die Wolgatreidler".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Jede Seite ist mit Tränen getränkt"

Öl auf Leinwand, 80x60 cm, 1998

 

Wieder eine komplexe Collage: Bundespräsident Herzog trifft in Taschkent ehemalige deutsche Trud-(Arbeits-)Armistinnen. Eine Frau zeigt ihm die damals so trostreiche Bibel mit den Worten:

"Jede Seite ist mit Tränen getränkt". Ergänzt wir die Szene u.a. durch das Manifest Katharinas II., mit dem sie die Deutschen nach Russland eingeladen hatte sowie durch den Erlass des Obersten Sowjet vom 28. August 1941, der die Deportation für Hunderttausende Deutscher in Russland zur Folge hatte.

Fußspuren und Jahreszahlen symbolisieren erlaubte (gelb) und lange Zeit verbotene (rot) Wanderungsbewegungen der Russlanddeutschen.

Ganz oben treffen sich Stalin und Hitler - wie im Märchen zwei Ziegenböcke auf einer schmalen Brücke; keiner will nachgeben, das Ergebnis ist bekannt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Die Deutschen in sowjetischer Sklaverei"

Öl auf Leinwand, 165x100cm, 2007

 

Die sowjetischen Machthaber hatten immer wieder ihren Weg zum Aufbau einer kommunistischen Gesellschaft als leuchtendes Vorbild für die gesamte Menschheit propagiert. Im Bild ist dies mit dem idyllischen Hintergrund angedeutet. Die gelebte grausame Realität bestand jedoch aus entsetzlichen Hungerjahren als Folge der Kollektivierung der Landwirtschaft sowie aus Deportationen, Zwangsarbeit, Willkür, Unmenschlichkeit und Erniedrigungen. Das sowetische Regime verging sich am eigenen Volk mit Mord, Arbeitslagern, Ausbeutung, Unterdrückung. Dieser Terror traf die Russlanddeutschen mit besonderer Härte.

Im Mittelgrund sind als Symbole der Sklaverei ein Arbeitslager, die Überwachung auch mittels Hunden sowie Trudarmisten und Kollektivbauern bei der Fronarbeit zu sehen.

Der Vordergrund zeigt zwei von ihnen mit ihren von Angst gezeichneten Kindern (in dem einen hat Andreas Prediger sich selbst dargestellt) und mit ihren Werkzeugen auf einem Eisenbahndamm.

Die liegende Figur unter dem Gleis versinnbildlicht die Opfer dieser Sklavenarbeit; der Arbeiter mit Schlips und Schubkarre deutet auf die Unterdrückung von Personen, die die Bolschewiken der "Intelligenz" zurechneten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Requiem"

Öl auf Leinwand, 154x97 cm, 2004

 

 

Requiem steht hier für die Trauer um und die Klage über den Leidensweg der Russlanddeutschen.

Das Bild zeigt ein sowjetisches Arbeitslager in der Zeit nach dem berüchtigten Erlass vom 28. August 1941.

Während des Krieges durften die Russlanddeutschen nicht in der Sowjetarmee dienen, sondern wurden in die Trud-(Arbeits-)armee "mobilisiert", d.h. zur Zwangsarbeit eingezogen, zunächst die Männer, später auch die Frauen. Dadurch wurden die Familien getrennt und heimatlos, Kinder oft bei Fremden in Obhut gegeben - die Russlanddeutschen insgesamt aus ihren angestammten Siedlungsräumen in alle Winde verstreut.

Die Arbeitslager mussten von ihnen selbst errichtet werden, auch die Bewachungsanlagen. Hier herrschte der vorsätzlich herbei geführte Tod; jeden Tag starben Insassen durch Hunger, Krankheit und die Übergriffe des Lagerpersonals.

Auf dem Bild ist im Lager vor den Aufsehern eine Arbeitskolonne angetreten; schon der kleinste Ungehorsam gegenüber Anweisungen konnte den Tod bedeuten. Diese Lager waren Todeszonen und Massenfriedhöfe; im Mittelgrund sind die Orte außerhalb des Zaunes zu sehen, wo die Verstorbenen im Winter gestapelt und später im Frühling in aufgetauter Erde in großen Gruben beerdigt wurden.

Über dem Tor sieht man ein Portrait Stalins ("Vater aller Völker"), darunter "Die Zone der ewigen Ruhe".

Im Hintergrund symbolisieren eine idyllische Landschaft und die Sonne die verlogene sowjetische Propaganda von der leuchtenden Zukunft des Kommunismus.

Die in drei Flugkeilen aufwärts strebenden Kraniche und weißen Figuren sind Sinnbilder der vielen durch den Terror umgekommenen Russlanddeutschen; Vorlage dafür ist ein Gedicht des russischen Dichters Rasul Kamsatov über die Kraniche als Symbol der Seelen Verstorbener, das am unteren Rand des Bildes eingefügt ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Dawai!-Dawai!-Dawai!"

Öl auf Leinwand, 110x80 cm, 2007

 

Ein Blick in die  Welt der oft sehr gefährlichen Zwangsarbeit, die Andreas Prediger 12 Jahre lang als Bergmann unter Tage leisten musste. Um genug zu essen zu bekommen, mussten die Fördernormen übererfüllt werden, begleitet ständig vom  Kommando der Aufseher "Dawai!".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Genozid"

Öl auf Leinwand, 110x75 cm, 2001

 

Ein Kommentar zu diesem Bildplakat:

"Was Schriftsteller wie Solshenyzin, Schalamow, Bashanow, Abdarchanow und andere mit ihren literarischen Werken zur Auklärung der Verhältnisse im Sozialismus beitrugen, das gelang Andreas Prediger auf eindringliche Weise in einem Bild".

Hunderttausende Deutscher in Russland überlebten die bolschewistische/stalinistische Verfolgung nicht. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Der Leidensweg der Deutschen in Russland"

 Öl auf Leinwand, 91x70 cm, 1994

 

Zwei Heimaten: das territorial kleine Deutschland und das riesige Russland, scheinbar ohne Grenzen. Oben links sind historische Persönlichkeiten von Friedrich dem Großen bis Helmut Kohl, oben Mitte und rechts Figuren der russischen Geschichte von Iwan dem Schrecklichen bis Boris Jelzin dargestellt.

Unten sieht man Portraits von Deutschen, die in Russland schon den Zaren dienten bzw. auch in der Sowjetunion Bedeutung erlangten.

Eingefügte Bilder und Wagenkolonnen deuten auf das Schicksal der Russlanddeutschen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Exodus der Deutschen aus Russland"

Öl auf Leinwand, 265x120 cm, 2009-2015

 

Dieses monumentale Bild war das Ergebnis langjähriger Vorbereitungen und Studien.

Es zeigt mit der Struktur "Bild im Bild" auf der linken Seite Personen, Szenen und Texte zur Lage der Russlanddeutschen in Deutschland und auf der rechten Seite zu der Situation der Deutschen in Russland. Dazwischen ist ein Zug von Personen zu sehen, der sich von rechts nach links in Richtung eines angedeuteten Torbogens bewegt, der durch die Arme von Bundeskanzler Kohl und Generalsekretär Gorbatschow gebildet wird. In diesem Zug ist eine Frau zu erkennen, die ein flammendes Herz hoch hält und mit diesem - einer bekannten russischen Legende entlehnten - Fanal den Weg in ein besseres Leben weist.

Die Menschen sind hier nicht als amorphe Masse dargestellt, sondern als individuelle Persönlichkeiten aus der Verwandtschaft des Malers ebenso wie aus dem von ihm ausgewählten Kreis bedeutender Persönlichkeiten der Russlanddeutschen, darunter bekannte Künstler und Schriftsteller.

Eine diagonal durch das ganze Bild führende Rauchwolke dient als Hintergrund für die wichtigsten Daten zur Geschichte der Russlanddeutschen.

Das Bild enthält nicht nur in den Texten, sondern auch in den Teildarstellungen eine Fülle von Hinweisen auf Ereignisse und Erlebnisse zu den Leiden und Erniedrigungen, aber auch zu den zivilisatorischen und kulturellen Leistungen der Deutschen in Russland sowie deren Reflexion in Literatur, Malerei und Bildender Kunst.

Andreas reihte sich selbst und seine Frau Pauline in den Exodus ein, mit Bildern in einer umgehängten Tasche und mit einem Beutel russischer Erde von den Gräbern seiner in Russland verstorbenen Kinder.

 

 

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